Abenteuer Hund

Immer dem Schnüff nach: Der Hund auf der Fährte

 

Vor uns eine Wiese im Hochsommer, das Gras schon mehr braun als grün. Vormittag, 25°C. Weit und breit ist nichts zu sehen außer einem etwa einen Meter hohen Stecken. Ach ja – ein Hund – im speziellen Fall ein blonder Labrador namens Rania - mit einem Menschen – nämlich mir -  hinten dran an der 10 Meter langen Leine. Zielstrebig geht der Hund zu dem Stecken beim sogenannten Abgangspunkt. Denn was hier beginnt, das heißt in der Sprache der Hundesportler „Fährte“. Es ist eine der schönsten und aufregendsten Tätigkeiten, die man gemeinsam mit seinem Wuff ausüben kann – und sie fordert und fördert seine ureigenste Fähigkeit: das Riechen.

Mit seinem Geruchssinn leben die Hunde in einer Welt, die für uns Menschen weitgehend verschlossen bleibt. Rund 200 Millionen Sinneszellen haben in der Hundenase Platz. In einem ausgeklügelten System wird der Luftstrom darüber geleitet, nach chemischen Verbindungen abgetastet und die Information an einen eigenen, ausgedehnten Bereich im Gehirn geleitet, den Riechkolben. Als zusätzliche Unterstützung verfügen die Hunde über noch ein weiteres Geruchsorgan – das Jakobson’sche Organ, auch Vomeronasalorgan genannt.

Zurück zur Fährtenarbeit: Das ist eine Strecke, die der Hundeführer zuvor abgegangen ist. Bis sie der Hund ausarbeitet, sind dann bis zu drei Stunden vergangen. Mit seiner feinen Nase erkennt er den Geruchsunterschied zwischen den zertretenen Grashalmen und dem unversehrten Gras daneben, folgt unbeirrbar der Spur bis zum Ende – sei es auf der Geraden oder über rechte und spitze Winkel. Und dazwischen legt er sich auch noch hin, wenn er auf einen vom Hundeführer ausgelegten Gegenstand trifft: Er verweist ihn.

Das alles, wie es hier beschrieben wurde, erfordert natürlich viel Übung. Aber ist es nicht wunderbar, wenn man beobachtet, wie der Hund lernt und sich mit jedem Training weiter entwickelt und immer sicherer wird?

 

 

 

Vom Bringen

Alles bringe ich als lieber Wuff. Wirklich alles, vom Steckerl bis zur Socke, vom Regenschirm bis zum Balli. Ich bin ja doch ein Retriever, ein Zurückbringer. Wir sind auf einem relaxten Spaziergang, Herrchen denkt wohl über seinen nächsten Text nach, Hündchen liest Texte, sprich, mein Schnüff ist ständig beschäftigt mit dem Lesen diverser Informationen, die da so zu finden sind entlang des Weges.

Unmittelbar wird es ernst. Herrchen hat ein wunderschönes Steckerl gefunden, so einen richtigen Ast, den man packen und tragen kann - und den man jagen kann. Groß sind die Augen, aufmerksam und konzentriert, beobachten jede Regung von Herrchens Arm, in dem er das Lustobjekt hält. Endlich holt er aus und wirft. Jaaaa! Schön weit. Ab geht die Post, ohne Rücksicht auf Verluste durch die Sträucher, über den Graben, rein in den frisch gepflügten Acker. Angst für Dreck? Das ist was für Anfänger. Schließlich am Ziel, das Steckerl packen und im Schweinsgalopp zurück. Je schneller, desto rascher wird wieder geworfen. Auf ein Neues. Adrenalin pur!

So - und jetzt wird das Ganze „verschult“. Wir sind am Hundeplatz, das Steckerl hat sich in ein Bringholz verwandelt. Auf einmal will Herrchen einen ganz genau einzuhaltenden Ablauf. Da muss man ruhig an seiner Seite sitzen, während das Apportl schon so wunderbar durch die Luft segelt, noch einen Hopser auf dem Boden macht und schließlich liegen bleibt. Verführerisch! Ein kleiner Zucker, aber der Mensch sieht alles und auf der Stelle setzt es ein scharfes „Sitz!“ Okay, meinetwegen. Warten, warten, warten! Für einen Menschen drei kurze Sekunden, für den Wuffl eine Ewigkeit. Schließlich ist es soweit. „Bring!“ Und da spritzen Erde und Gras unter den durchdrehenden Pfoten weg. Ein Formel 1-Start ist ein Lercherlschaß dagegen. Hinrennen, packen, umdrehen, zurückrennen. Nun kommt der schwierige Teil: Vor dem Herrchen sitzen und das Holz halten, und zwar ruhig. Ach wie gernen würde ich es herumschupfen, darauf herumkauen. Stocksteif steht das Herrli vor mir. Dann greift er nach meiner Beute und sagt doch glatt „Aus!“ Na gut, gebe ich es halt her. Geübt haben wir das lange genug. Manchmal war das Herrchen schon ein bisschen genervt, das habe ich auch gespürt. Herumgelaufen ist er, eigenartiger Weise oft rückwärts. Hat mich mit allen Mitteln, Methoden und Tricks mitgelockt. Ich bin brav hinterher gelaufen, ständig das Holz in meinem Maul, das lass ich doch nicht liegen! Dann ist er stehen geblieben, ich habe mich gerade noch eingebremst, habe mich hingesetzt - und auf dem Holz herumgenagt. Komischer Weise ist daraufhin Herrli wieder weggelaufen. Na gut, ich hinterdrein. Und aufs Neue das gleiche Spiel. Irgendwann ist es mir zu blöd geworden und ich habe mich hingesetzt und das Holz einfach ruhig im Maul gehalten. Na, das war eine Freude beim Herrchen. Also gut, hab ich mir gedacht, wenn er es so will. Auch recht.

Das ist jetzt schon einige Zeit her. Immer wieder machen wir das mal in der Hundeschule und ich hab’s voll drauf. Bringholz fliegt, ich sitze. Kommando, laufen, zurückkommen, hinsetzen, halten, hergeben. Herrchen freut sich. Ach ja, Menschen sind ja so leicht glücklich zu machen! Und ich darf dann hin wieder auch einem Ball nachjagen! Oder sogar einem Stecker!

 

 

 

Warum auch Hunde in die Schule gehen

Seit Maria Theresia gibt es in Österreich die Schulpflicht für Menschenkinder, und das aus gutem Grund. Eine Schulpflicht für Hundekinder gibt es nicht. Sollte es aber geben, und das aus gutem Grund. Genauer gesagt, sollte die Pflicht mehr für Frauchen und Herrchen bestehen, eine solche Schule zusammen mit ihren Vierbeinern zu besuchen – aber dazu später mehr.

Warum sollten Hunde also ihre Zeit auf einer eingezäunten Wiese verbringen und dort lernen, so komische Dinge zu befolge wie „Sitz“, „Platz“ oder „Fuß“. Bringen sie nicht mit ihren Erbanlagen alles mit, was sie brauchen? Und in der Natur lernen sie, besser gesagt, ihre Verwandten, die Wölfe, solche Dinge ja auch nicht. Das ist richtig, aber sie lernen. Jedes Lebewesen, jeder Organismus bringt die Fähigkeit zu lernen mit, und je höher entwickelt er ist, desto ausgeprägter ist dieses Potential und desto wichtiger ist es. Ohne zu lernen, wäre es nicht möglich, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen und sich weiter zu entwickeln.

Vom Moment seiner Geburt an lernt der Hund. Er lernt, die Zitze seiner Mutter zu suchen und zu finden, blind und taub, wie der kleine Welpe noch ist, allein nach Tastsinn und Wärmeempfinden. Er lernt dann, die weiteren langsam erwachenden Sinnenorgane zu nutzen und die Welt um sich wahrzunehmen und richtig einzuordnen. Er lernt, seine Bewegungen zu koordinieren, er lernt die Kommunikation, die sozialen Verhaltens- und Benimmregeln im Umgang mit seinen Geschwistern und mit seiner Mutter (der Vater ist ja bei unseren Hunden in der Regel nach dem Zeugungsakt nicht mehr verfügbar).

In der Regel mit 9 Wochen kommt der Welpe dann zu den Menschen, die den Rest seines Lebens für ihn sorgen werden und von nun an seine sozialen Bezugspunkte sind. Und damit tritt er endgültig ein in die Menschenwelt und muss nun neuerlich Vieles lernen.

Halten wir doch einmal kurz inne und denken wir darüber nach, welche Leistung wir eigentlich von unseren Hunden verlangen. Sie passen sich an eine für sie fremde Lebensform an und müssen sich an Dinge gewöhnen, wie zum Beispiel den Autoverkehr, in einem Restaurant ruhig unter dem Tisch zu liegen, nicht alles zu jagen, was herumrennt oder mit voller Blase zu warten, bis Herrchen/Frauchen die Leine nimmt und mit ihnen nach draußen geht.

Um all diese Dinge dem Hund zu vermitteln, ist es wichtig, konsequent zu sein und eine klare und eindeutige Sprache zu verwenden. Unsere Hunde verstehen nicht, was wir sagen, sie richten sich danach, wie wir es sagen und dass einem gewissen Laut oder eine Lautfolge eine bestimmte Handlung zu folgen hat – das immer gleich. Darüber hinaus sind sie einfach wahnsinnig gute und genaue Beobachter, die jede Nuance unserer Körpersprache wahrnehmen und interpretieren. Dessen sind wir uns meist nicht bewusst und wundern uns dann über scheinbar unerklärliche Verhaltensweisen unserer Vierbeiner.

Zurück zur Hundeschule. All diese wichtigen Dinge, die nun im Text erwähnt wurden, werden in einer guten Hundeschule unter dem fachkundigen und kritischen Blick eines Trainers geübt, wobei es eine große Rolle spielt, dass sich keine Ungenauigkeiten und Schlampereien einschleichen. Je besser und sicherer der Hund grundlegende Kommandos bzw. Signalwörter befolgt, desto mehr Freiheiten kann man ihm im Alltag auch gönnen; dazu gehört zum Beispiel das Training eines zuverlässigen Rückrufs.

 

 


 

Vom lustvollen Spiel

Einfach die Sau rauslassen! Das Kind wieder aus den Tiefen der Persönlichkeit hervorkramen! Wie oft sage ich das am Hundeplatz beim Training, wenn es um eines der wichtigsten Dinge in der Erziehung der Hunde geht oder, besser gesagt, im Zusammenleben mit unseren Hunden: Das Spielen.

Hunde sind begnadete Spieler – wir Menschen leider viel zu oft nicht. Wenn ich meine beiden Hündinnen Rania und Alexa beobachte, dann muss ich oft lachen. In der Regel fängt ja die Kleine an, also Alexa. Da wird ein bisschen herumgeknabbert, ein bisserl gecheckt. Hinlaufen, Anspringen, weglaufen! Vorderkörper tiefstellen. Und wenn das alles noch nichts hilft, um die „Alte“ auf Touren zu bringen, wird gebellt. Und dann geht die Post ab: wechselseitiges Nachrennen, Jagen, Anrempeln, Umwerfen, kurzes Durchschnaufen und auf in eine neue Runde.

Damit können wir Menschen nicht ganz mithalten, aber trotzdem können wir spielen – und unsere Hunde lieben uns dafür. Aber Achtung: 20-mal Balli werfen und bringen lassen, ist kein wirkliches Spiel. Da müssen wir uns schon aktiver einbringen. Also: Ball an eine Schnur und schon ist er der Hase, der von uns über die Wiese gezogen wird, der Haken schlägt, mal kurz wartet und dann wieder losstartet. Natürlich wird er dazwischen auch vom Jäger „erlegt“, gebeutelt. Da können wir ein kurzes Zerrspiel einflechten, das einmal der Hund gewinnt, dann wieder wir. Sobald der Hund auslässt, geht es schon wieder weiter.

Was, wenn wir kein Spielzeug dabei haben? Falsche Frage, denn ein Spielzeug haben wir immer mit: Uns selbst! Das ist ja noch lustiger für unseren Wuff, da gibt es Körperkontakt pur mit Frauchen oder Herrchen. Ach ja, dabei sollte man nicht seine schönste Sonntagskleidung anhaben, weil es wird auch schon mal über die Wiese gerollt. Wenn der Hund im Eifer des Gefechts einmal zu fest zuzwickt (wir haben halt leider kein dämpfendes Fell)? Spielabbruch – der Hund weiß rasch, warum. Nach einer kurzen Nachdenkpause geht es schon wieder weiter. Das nächste Mal weiß Bello schon, wie weit er gehen kann. Unsere Vierbeiner sind mit ihrem Maul äußerst sensibel.

Also: Homo ludens, der spielende Mensch – und sein Hund. Spiel bringt Lernerfahrungen, Spiel powert physisch aus, Spiel macht Spaß, Spiel stärkt die Bindung. Risiken und Nebenwirkungen? Keine!

Fertig mit dem Lesen? Nichts wie raus mit dem Wuff und eine Runde spielen! Schluss ist erst, wenn beide keuchend nebeneinander liegen und kuscheln!

 

 

 


Vom Glück, zwei Hunde zu haben

Ein Hund bringt schon Glück, Freude, Spaß und Erfüllung. Wie muss das erst bei zwei Hunden sein! Gleich einmal vorweg: Es ist keine einfache mathematische Verdoppelung. Zwei Hunde heißt: doppelt so viel Futter, doppelt so viele Haare, doppelt so lange beim Tierarzt, doppelte Zeit fürs Training, doppelt so viel ...! ABER: Zwei Hunde heißt, zweimal bedingungslose Liebe zu bekommen. Und: Zwei Hunde zu haben, heißt, wahnsinnig viel über das Wesen Hund zu lernen. Die beiden zu beobachten, wie sie miteinander kommunizieren, wie sie miteinander umgehen und interagieren - das lässt sich über noch so viele Bücher nicht vermitteln. Zwei Hunde heißt aber auch, dass man als Mensch noch mehr gefordert ist, eine klare Sprache zu verwenden, Regeln aufzustellen und deren Einhaltung auch mit der nötigen Konsequenz zu verfolgen. Was für Wölfe gilt, das gilt auch für diesen Familienverband, diese Lebensgemeinschaft: Wer eine klare Linie vorgibt, wer kluge Entscheidungen trifft, wer lebenserfahren ist, der hat die Führungsrolle inne. Es gibt kaum etwas Schöneres und Erfüllenderes als mit zwei Hunden unterwegs zu sein, die einem überall hin folgen, mit zwei Hunden über die Wiese zu toben und einfach nur im Hier und Jetzt zu leben. Das Leben genießen! Danke dafür an meine zwei Labi-Mädls Rania und Alexa!